Ein lebendiger Tisch, an dem wir uns wohlfühlen

Besondere Schätze des Nürnberger Staatsarchivs - Prof. Dr. Fleischmann

Prof. Dr. Fleischmann (nach eigener Aussage in der Altpapierbranche tätig) räumte gleich zu Beginn mit den drei gängigen Klischees über Archive auf: Staub, Dunkelheit und Stille. Das ist mitnichten so! Das Nürnberger Staatsarchiv verfügt derzeit über 36.500 Regalmeter mit ca. 8 Mio Einheiten. Das älteste Stück ist ein Pergament aus dem Jahr 889 und stammt aus dem Hochstift Eichstätt. Zu den Beständen gehören Dokumente der Reichsstadt Nürnberg, des Markgraftums Brandenburg-Ansbach, des Hochstifts und Domkapitel Eichstätt, des Deutschen Ordens, der Fränkischen Reichsritterschaft, Herrschafts- und Adelsarchive, Unterlagen der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse, Entnazifizierungsakten, aber auch ganz einfache Nachlass-, Grundbuchakten und Baugenehmigungen. Jedes Jahr wächst der Bestand um 200-300 Regalmeter.

 

Prof. Dr. Fleischmann nahm uns mit auf eine Reise durch die Jahrhunderte und erzählte die eine oder andere spannende Geschichte. Zum Beispiel, dass die beiden in Bayern erhaltenen Ausfertigungen der Goldenen Bulle (enthält u.a. Reichsgrundgesetz und -verfassung) seit 2013 als UNESCO-Weltdokumentenerbe registriert sind. Oder, von der „Pendelei“ der Reichskleinodien zischen Nürnberg und Wien. Oder, dass von US-GIs als „Souvenir“ mitgenommene Dokumente wieder zurück erworben werden konnten/mussten, mit etwas Diplomatie sogar relativ „günstig“. Oder, dass Hitlers Gefangenenpersonalakte aus dem Gefängnis Landshut (welches dort von der damaligen Leitung unterschlagen wurde) nur mühsam durch Unter-Kulturschutz-Stellen vor dem Verkauf auf dem Flohmarkt und dem Verbringen ins Ausland gerettet werden konnte.

 

Stichwort „Hitler“: Prof. Dr. Fleischmann hat den genitalen Defekt Hitlers „entdeckt“ (bei Interesse „Fleischmann Hoden Hitler“ Googlen). Aber auch andere Geschichten werden wir nicht so schnell vergessen: Das Problem des Archives der über handelsübliches Toilettenpapier eingeschleppten Papierfischchen beispielsweise. Oder Gefahren des U-Bahn-Baus für Archive: Auch das Nürnberger Archiv war einsturzgefährdet und die U-Bahn fährt heute direkt unter dem Magazin durch. Daher: Schön zu hören, dass das 1880 errichtete Gebäude demnächst für 50 Millionen Euro vom Freistaat saniert werden soll. Hoffen wir, dass somit das „Gedächtnis“ für viele Generationen erhalten bleibt!

 

Brot für die Welt – Satt ist nicht genug - Vortrag von Frau Deraëd

Leila stellt Frau Deraëd kurz vor und übergibt ihr dann das Wort. 

Das zentrale Thema ist Hunger und Ernährung. Hier-zu beginnen wir mit einer interaktiven Übung. Zu den Kontinenten der Welt sollen wir schätzen, wie hoch die Bevölkerung ist, welches Bruttoinlandspro-dukt dort erwirtschaftet wird, welche Kalorienzahlen der jeweiligen Bevölkerung zur Verfügung steht und wie hoch die dazugehörige Eigenproduktion ist. Wir lagen teilweise weit daneben.

 

Es zeigte sich, dass in Asien, mit nahezu der Hälfte der Weltbevölkerung und einem Drittel der weltwei-ten Produktionsmacht, dem Einzelnen zwar im Durchschnitt 2.400 Kilokalorien an Nahrung täglich zur Verfügung stehen, hiervon aber nur 1.200 Kilo-kalorien an Nahrungsmitteln direkt vor Ort produziert und genutzt werden können. Noch deutlicher wird das Ausmaß der Armut am Beispiel Afrikas.

Global wird das Essen zudem insgesamt immer ein-töniger. Von 30.000 essbaren Pflanzen spielen nur 30 eine Rolle in der Welternährung. Hier gibt es aber auch Projekte um hier entgegenzusteuern, wie etwa die Saatgutbanken in Indien.

 

Hunger tritt weltweit in diversen Formen vor, vom chronischen Hunger bis hin zum „stillen Hunger“ der Mangelernährung beschreibt. Der meiste Hunger herrscht in Afrika und Asien vor. Insgesamt leidet fast die Hälfte der Menschheit an Hunger, wobei überwiegend Frauen und Mädchen betroffen sind, welche in vielen Ländern immer noch kein Grund- und Bodenrecht haben und in weiteren Bereichen diskriminiert werden. 

 

Gesunde Nahrung ist aber nach Art. 25 der allgemei-nen Erklärung der  Menschenrechte ein eigenes Menschenrecht. Dies umfasst nicht nur die Menge der Nahrung, sondern auch deren Qualität.

Die weltweiten Probleme, die zu Hunger führen sind sehr vielfältig und komplex. Die Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Deve-lopment Goals – SDGs), zu der sich 169 Nationen verpflichtet haben, soll bis 2030 erfolgen. Gesunde und nachhaltige Ernährung ist möglich, erfordert aber globalen Einsatz.

Fünferplatz, Mondscheingasse & Co. - Nürnber-ger Straßennamen und ihre Herkunft - Vortrag von Jochen Raff

Wir freuen uns auf unseren nächsten Neuzugang Jochen Raff, der uns einen kurzweiligen Vortrag über die Geschichte der Nürnberger Straßennamen im Allgemeinen und die Herkunft einiger Straßennamen im Besonderen dargeboten hat.

 

Das Besondere an der Ausarbeitung des Vortrags war, dass zu diesen Themen wenig im Internet zu finden ist, so dass Jochen eine sehr intensive Recherche im Archiv betrieben hat. Nicht alles lässt sich selbst im Archiv ergründen. Selbst ans Rathaus der Gemeinde Schwaig hat sich Jochen im Zuge der Vorbereitungen gewandt! Vielen Dank!!

 

Die Besetzung Nürnbergs durch die Franzosen gegen 1796 machte eine gewisse Strukturierung der Stadt notwendig. Bis dahin waren die Gebäude nur nummeriert. Die Pegnitz trennte die Stadt bis dahin in „Lorenzer Seite“ und „Sebalder Seite“.

 

Um 1809 gab es bereits die ersten Umbenennungen: Die Bewohner der Kotgasse wollten lieber in der Brunnengasse wohnen und auch aus der Straße In der Arskerben wurde Maiengasse. Interessant auch, dass der Plärrer nicht etwa wegen des Lärms so heißt. Stattdessen leitet sich der Name von „eine Plarre = ein großer, freier Platz“ her.

 

Die Irrerstrasse befindet sich im alten Geberviertel, in der Nähe der Weissgerbergasse. Damals wurden Gerber auch als lrre bezeichnet. Die Füll gibt es nir-gendwo sonst außer in Nürnberg. Dieses Alleinstel-lungsmerkmal hat auch der Fünferplatz, benannt nach dem Fünferhaus, in dem einst das aus fünf Richtern bestehende Fünfergericht tagte. Zerzabelshof heißt so nach zwei Förstern, deren Namen ähnlich unaussprechlich für ungeübte Zungen waren. Der Schmausenbuck ist der Name einer Erhebung (Buck), die nach dem Bierbrauer Georg Schmaus benannt ist. Der Kontumazgarten ist der Garten einer früheren Quarantänestation. Der Rennweg diente seinerzeit der schnellen Fortbewegung von Kurieren auf dem Weg nach Prag. Der Name Unschlittplatz geht auf die einstige Monopolverwaltung für geschmolzenen Rindertalg zurück.

 

Erstaunlich, dass man täglich mit bestimmten Namen in Berührung kommt und so wenig darüber weiß. Seit Montag ist das nun ein klein wenig anders….

 

Fake News – Journalismus in Zeiten der Digitalisierung und die Herausforderungen durch Fake News im Internet - Vortrag von Armin Jelenik - Nürnberger Nachrichten

 Thema des Tischabends am 07.01.2019 war „Fake News – Journalismus in Zeiten der Digitalisierung und die Herausforderungen durch Fake News im Internet“.

 

Hierzu haben wir unser Hotel Victoria verlassen und sind einer Einladung eines Tablers in die Redaktion der Nürnberger Nachrichten gefolgt.

 

Die beiden großen Nürnberger Zeitungen, nämlich die Nürnberger Nachrichten und die Nürnberger Zeitung, werden vom selben Verlag herausgegeben, mit getrennten Redaktionen allerdings. Interessant, wie der Verlag mit den beiden unterschiedlichen Ansätzen umgeht: Das eine Blatt bedient die sozial-liberale Leserschaft, das andere die konservative.

 

Seriöser Journalismus zeichnet sich durch eine gewisse Unabhängigkeit aus, da über die Abonnenten einer Tageszeitung eine Kontinuität der Einnahmen gewährleistet ist. Allerdings sind diese auch nicht unerschöpflich, da das Internet scheinbar die gleiche Leistung kostenlos anbietet. Das Internet ist zwar die Zukunft auch im Journalismus, es fehlt allerdings ein nachhaltiges Erlösmodell für die redaktionelle Arbeit. Darüber hinaus wird guter Journalsims deshalb immer wichtiger, weil das Internet die Verbreitung von Fake News enorm erleichtert. Die sogenannte Filterblase und die sogenannte Echokammer tun ihr Übriges, da wir als User oft nur noch individuell vorgefilterte Inhalte zu sehen bekommen, die unserem Weltbild entsprechen und dieses somit weiter verfestigen. Der seriöse Journalist steht nun vor der Aufgabe, Fakten zu prüfen. Dies wird einerseits immer notwendiger, aber andererseits stehen in den Redaktionen immer weniger Ressourcen zur Verfügung. Spruch des Abends: If your mother says she loves you, check it! Dem gewissenhaften Redakteur stehen eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, Nachrichten vor Veröffentlichung auf den Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen: Zum einen das Telefon, aber auch verschiedene Seiten im Internet anhand derer sich zum Beispiel überprüfen lässt, ob das konkrete Foto oder Video tatsächlich zu mutmaßlicher der Zeit an dem mutmaßlichem Ort aufgenommen wurde: z.B.: www.klicksafe.de, hoaxmap.org, hoaxsearch.com, logos.iti.gr, worldlicenseplates, suncalc.org

 

LED – Ein seriöser Ersatz für Glühleuchtmittel? - Vortrag von Holger Schubert - Siemens

Holger gibt uns sodann spannende Einblicke in die Welt des Lichts. 

Beleuchtung ist ein wesentliches Element unserer Sinneswahrnehmung. Aus eigenem Interesse hat Holger diesen Vortrag konzipiert. Er stellt verschiedene Leuchtmittel vor und “beleuchtet” ihre verschiedenen Aspekte.

Wesentlicher Faktor bei der Auswahl eines Leuchtmittel ist zur Zeit die Farbtemperatur. Hierbei steht eine höhere Kelvinzahl für kälteres Licht. Natürliches Licht hat hingegen eine hohe Kelvinzahl, man wird es aber nie als kalt oder grell empfinden. Daneben ist der Farbwiedergabewert zu beachten, der angibt, wie “echt” die Farbe in diesem Licht wirkt. Sonnenlicht, als natürlichste Darstellung, hat einen Wert von 100 RA. LED hatte bisher nur maximal 90 RA, wobei es zwischenzeitlich auch Präsentations-LED gibt, die selbst in Museen eingesetzt werden können.

Die klassischen Glühleuchtmittel (Glühbirne, Halogenleuchte), die durch Erhitzung einer Glühwendel zum leuchten gebracht werden, haben eine hohe Heizleistung (bis zu 97%), enthalten aber keine giftigen Stoffe und sind nicht E-Smog geneigt.

Leuchtstofflampen haben eine lange Lebensdauer bei immer noch hoher Heizleistung, sind aber hingegen quecksilberhaltig E-Smog geneigt.

LED-Leuchtmittel bestehen primär aus der eigentlichen Diode. Da sie sehr hitzeempfindlich sind, sind Kühlkörpern von elementarer Bedeutung. Die Dioden haben eine enorme Lebensdauer, was in der Regel kaputt geht ist es das Vorschaltgerät. Daher ist eine Laufzeit von maximal fünf Jahren schon als gut anzusehen. Auf Grund der technischen Gegebenheit zur Lichterzeugung in der LED ist es nicht möglich weißes Licht direkt aus dem LED-Chip zu erzeugen.

Wirtschaftlich ist die LED klar vorne, mit einem Wirkungsgrad von 25 % bis 40 % und einer enormen Lebensdauer der Dioden. Problematisch ist aber, dass 80 % aller Leuchten fest verbaute LED enthalten.

Im Bereich der Gesundheit und des Wohlbefinden wird jedoch der Aspekt der Lichtverschmutzung immer relevanter. Zusätzliche (LED-)Lichtquellen nehmen zu, zu viel Helligkeit gaukelt dem Körper aber auch nachts vor es sei Tag, was sich negativ auf das Wohlbefinden auswirkt.

Im Resümee kommt Holger dazu, dass die Beleuchtung mit LED nicht mit Problemen behaftet ist, sondern vielmehr mit Herausforderungen. Die Entwicklung geht weiter und bei verantwortungsvollem Umgang mit den LED bieten sie eine sehr gute und sinnvolle Alternative zu bisherigen Leuchtmitteln.

Holger ist gerne bereit die Folien des Vortrags zur Verfügung zu stellen.