Vorträge an den OT4-Tischabenden 2017

Hier finden sich Kurzzusammenfassungen der Vorträge an den OT4-Tischabenden 2017

 

 

03.04.2017  Memorium Nürnberger Prozesse und der Weg nach Den Haag

 

Letztes Jahr war der 70ste Jahrestag der Verkündung der Urteile gegen die Hauptkriegsverbrecherprozess in den Nürnberger Prozesse.  RA Schüler hat über 35 Jahre als Rechtsanwalt gearbeitet und sich erst im Rahmen seines Ruhestandes mit dem Völkerstrafrecht beschäftigt. Insofern auch sein Engagement im Nürnberger Menschenrechtszentrum, einer NGO in diesem Bereich.

 

Der Bogen des Vortrags umfasst 72 Jahre des Völkerstrafrechts. Insofern wurden vier Punkte hervorgehoben: Das Memorium und seine Geschichte, was tut Nürnberg heute, was geschah bei den Nürnberger Prozessen und Geschichte und Gegenwart von Den Haag.

Im Memorium Nürnberger Prozesse, dessen Besuch Herr RA Schüler sehr nahelegt, kann man sich ergänzend zum Vortrag informieren. Es umfasst den berühmten Sitzungssaal 600 und eine ergänzende Ausstellung. Der Sitzungssaal ist noch in Gebrauch. Dies ist teilweise problematisch, da eine Besichtigung während einer Verhandlung nicht möglich ist.

 

2001 fand ein Umdenken in der Erinnerungskultur Nürnbergs statt. Bis dahin wurden gerade die Nürnberger Prozesse eher totgeschwiegen. RA Schüler war dann maßgeblich daran beteiligt, dass ein echtes Memorium errichtet wird. Dieses wurde im November 2010 dann eröffnet.

 

Ein weiterer Schritt wird die Eröffnung des Strafrechtszentrum beim Justizpalast Nürnberg (voraussichtlich 2018/19) sein. Dann wird der Sitzungssaal 600 dann permanenter Ausstellungsbestandteil werden.

 

Bei den Nürnberger Prozessen muss zwischen dem Hauptkriegsverbrecherprozess und den Nachfolgeprozessen unterschieden werden. Der Umstand, dass es die „Nürnberger“ Prozesse wurden, ist primär der noch intakten Justiz-Infrastruktur geschuldet. Die Verlesung der Anklageschriften erfolgte noch in Berlin, die 218 Verhandlungstage erfolgten dann in Nürnberg.

 

RA Schüler spricht dann über den Hauptkriegsverbrecherprozess und dessen Angeklagte. Die Nachfolgeprozesse, die nur von den Vereinigten Staaten geführt wurden, richtete sich gegen die deutschen Eliten. Hier geht Herr RA Schüler auf den „Katzenberger-Prozess“ ein.

 

Trotz der gehäuften Kritik ist der internationale Strafgerichtshof sinnvoll und notwendig um das Menschenrecht adäquat zu schützen. Die Urteilsfindung dort beruht noch heute auf den „Nürnberger Prinzipien“.

 

12.06.2017  Die lokale Energiewende

 

Herr Jessenberger stellt uns den Energiewende ER(H)langen e.V. vor. Der Verein zählt als Mitglieder 64 Bürger aus Erlangen und dem Landkreis, sowie 15 Unternehmen, Parteien und Kommunen. Ziel der Vereins ist die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen.

 

Der Verein setzt insofern auf Aufklärung und die Bereitstellung von Informationen. Dies erfolgt etwa durch Filmvorführungen, das Forum Energiewende in Kooperation mit der Volkshochschule und allgemeine Vortragsveranstaltungen.

 

Ein eigenes Team von Vereinsmitgliedern betreibt die „Stromsparberatung“. Hier wurden bisher 25 Beratungen durchgeführt und im Durchschnitt eine Einsparung von 25 % erreicht. Die Beratung erfolgt in Kooperation mit dem Landratsamt Erlangen-Höchstadt und kostet 30 €.

 

Im letzten Jahr ist der Verein mit einer Solaroffensive an die Stadt Erlangen und den Landkreis Erlangen-Höchstadt herangetreten, um den Ausbau von Solaranlagen wieder anzukurbeln. Hier konnte erreicht werden, dass die Kommunen entsprechende Veranstaltungen mittragen, um die Bürger zu informieren.

 

Bereits 2012 wurde die Bürgerenergiegenossenschaft EWERG eG gegründet. Diese ermöglicht als separate Organisation die Beteiligungen an Anlagen zur alternativen Energiegewinnung.

 

Der Verein veranstaltet an jedem zweiten Donnerstag im Monat ein offenes Monatstreffen in Erlangen. Zudem gibt es separate Arbeitsgruppen, die sich um spezifische Themen (z.B. die Energiesparberatung) kümmern.

 

In einer nachfolgenden Diskussion wird über die möglichen persönlichen Beiträge zur Energieeinsparung gesprochen.

 

Weitere Informationen zum Thema sind unter folgenden Links abrufbar:

Solarenergie-Beratungsangebote der Stadt Nürnberg:

https://www.nuernberg.de/internet/solarinitiative/

 

des Landkreises Nürnberger Land:

https://landkreis.nuernberger-land.de/index.php?id=2026

 

der Stadt Erlangen:

https://www.erlangen.de/desktopdefault.aspx/tabid-1430/87_read-6619/

 

des Landkreises Erlangen-Höchstadt

https://www.erlangen-hoechstadt.de/leben-in-erh/energieberatung/solar/

 

Veranstaltungen im Juli in Erlangen:

 

1) Photovoltaikanlagen und Energiespeicher – so bekommen Sie den Durchblick

 http://www.energiewende-erlangen.de/events/informationsveranstaltung-photovoltaikanlagen-und-energiespeicher-so-bekommen-sie-den-durchblick/

 

2) Solarthermieanlagen- Wärmesysteme für jeden Bedarf

 http://www.energiewende-erlangen.de/events/informationsveranstaltung-solarthermieanlagen-waermesysteme-fuer-jeden-bedarf/

 

3) Photovoltaik – Wirtschaftliche Eigenversorgung und Netzeinspeisung in Gewerbebetrieben

 http://www.energiewende-erlangen.de/events/informationsveranstaltung-photovoltaik-wirtschaftliche-eigenversorgung-und-netzeinspeisung-in-gewerbebetrieben/

 

4) PV-Mieterstrommodelle mit der neuen Bundesförderung ab Juli

http://www.energiewende-erlangen.de/events/informationsveranstaltung-pv-mieterstrommodelle-mit-der-neuen-bundesfoerderung-ab-juli/

 

 Newsletter des Vereins Energiewende ER(H)langen e.V. abonnieren:

info@energiewende-ERHlangen.de

 

03.07.2017  Die Reformation und die Frauen

 

Wir befinden uns am Ende der „Luther-Dekade“, in der jedes Jahr einem Thema gewidmet war. Heimo hat hierbei festgestellt, dass das Thema „Frauen“ bisher nicht thematisiert wurde.

 

Die Voraussetzungen der Reformation waren mehrere weltgeschichtliche Ereignisse, an die Martin Luther angeknüpft hat. Hier empfiehlt Heimo das nun erschienene Buch „1517" in dem diese historischen Ereignisse dargelegt werden.

 

Luther war nicht der einzige Reformator. Frauen finden hier aber leider kaum Erwähnung. Die Quellen sind daher entsprechend mager. Dabei gab es eine Vielzahl einflussreicher Frauen im Umfeld der Reformation, nicht zuletzt die Ehefrauen der Reformatoren. Insofern begründet die Reformationsbeauftragte der EKD, Marot Käsmann, vier Thesen:

 

  • Das Priestertum aller Getauften schließt Frauen ein
  • „Leben in der Welt" wird durch die Ehe aufgewertet
  •  Bildungsteilhabe und Bildungsgerechtigkeit
  •  Kennzeichen reformatorischer Kirchen: Pfarrerinnen

 

Luther’s „Magnifikat“, die Lobpreisung Maria’s, zeigt seine große Wertschätzung der Frauen. In seinen Tischreden überwiegen die positiven Aussagen über Frauen. Andererseits war er ein Mann seiner Zeit und war ein Opfer von Hexenwahn.

 

Es ist zu beachten, dass die Verbreitung der Reformation auf den Märkten und in den Spinnstuben durch die Frauen erfolgte. Eine besondere Rolle in Luther’s Leben spielt hier Katharina von Bora (1499-1552), die „Lutherin“. Luther heiratete sie 1525 und es entwickelte sich eine Liebes-Ehe, in der Katharina den Haushalt managte. Ein Modell für das evangelische Pfarrhaus. Daneben zählte zu den „Hausfrauen der Reformation“ Katharina Melanchthron, Anna Zwingli, Idelette Calvin und Wibrandis Rosenblatt.

 

Aber auch die „Schriftstellerinnen der Reformation“ haben einen wesentlichen auf diese gehabt. Zu nennen wären hier Argula von Grumbach (eine geistreiche Kämpferin für die Reformation, mit schriftlichen und persönlichen Kontaktern zu Luther), Katharina Zell (Verfasserin ausgedehnter Korrespondenz) und Elisabeth Cruciger (Verfasserin zahlreicher Lieder).

 

Letztendlich gab es noch starke und einflussreiche Unterstützung von den „Politikerinnen der Reformation“, etwa Caritas von Pirckheimer, Elisabeth von Brandenburg und Elisabeth von Rochlitz.

 

Es dauerte dennoch sehr lange, bis die Frauen sich in der deutschen Kirche etablieren konnten. Erst im Jahr 1900 gab es die erste Theologiestudentin. Während der NS-Zeit war es besonders schwer als Frau Theologie zu studieren. Während und nach dem Krieg betreuten dann die Vikarinnen und Frauen einige Gemeinden. Es dauerte in Bayern bis 1975, bis das Gesetz zur gleichberechtigten Pfarrerin erlassen wurde.